Gesunde Ernährung bei chronischen Darmentzündungen 

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind oft mehr als ein lokales Geschehen im Darm. In der Chinesischen Medizin steht dahinter häufig eine längerfristige Schwächung der Mitte – also von Milz und Magen – verbunden mit Fehlverteilungen von Feuchtigkeit, Wärme/Hitze oder einem Mangel an aufbauenden Kräften. Entsprechend erhält die Ernährung einen therapeutischen Stellenwert: als tägliche, milde Behandlung, die den Organismus entlastet und reguliert.

Die Chinesische Medizin arbeitet traditionell mit fünf Säulen: Akupunktur, chinesische Arzneitherapie, Tuina-Massagen/Körpertherapien, Qi Gong und Ernährungslehre (Diätetik). Ernährung ist also eine wichtige Behandlungssäule – besonders bei chronischen Darmbeschwerden. Diätetik bedeutet dabei nicht „viel Obst und Gemüse“, sondern die gezielte Auswahl und Zubereitung von Lebensmitteln nach ihrer energetischen Wirkung.

Grundprinzipien: Bio, frisch, gut gegart

Als Grundsatz gilt die Verwendung möglichst unbelasteter Lebensmittel, idealerweise aus biologischem Anbau. Ebenso wichtig ist die frische Zubereitung: Nahrung soll nähren, nicht fordern. Vollständiges Garen ohne „Zerkochen“ ist dabei wichtig. Aus Sicht der Chinesischen Medizin ist die Mitte auf Wärme und Regelmäßigkeit angewiesen. Kalte, rohe oder hastig verzehrte Speisen gelten hingegen häufig als Störfaktoren, weil sie Verdauungskraft binden und den Körper „kühlen“ können – eine Belastung, die gerade bei entzündlichen Darmerkrankungen nicht selten zu schwerem Bauchgefühl, Blähungen, wechselndem Stuhl oder allgemeiner Erschöpfung beiträgt.

Rohkost, Salate und rohes Obst wirken energetisch häufig kühlend und können die Verdauungsenergie überfordern. Das betrifft nicht nur „kalte“ Speisen im wörtlichen Sinn, sondern auch Lebensmittel, die thermisch kühl wirken. Ähnlich wird Vollkorn in manchen Konstitutionen bewertet: Für eine robuste Mitte kann es stabilisierend sein, für eine geschwächte Verdauung aber zu grob, zu „schwer“ oder zu reizend – vor allem, wenn zusätzlich Feuchtigkeit oder Schleimprozesse im Spiel sind.

Die chinesische Diätetik fragt daher weniger nach Nährstofftabellen, sondern nach Wirkung: Was stärkt die Mitte, was erzeugt Feuchtigkeit, was bewegt, was trocknet, was kühlt, was erhitzt?

Lebensmittel als milde Therapeutika – und als mögliche Krankheitsverstärker

In der Diätetik wird die Wirkung einer Speise auch über ihre Geschmacksrichtung verstanden: bitter, salzig, sauer, scharf und süß. „Süß“ meint dabei aber beispielsweise nicht Zucker, sondern die natürliche Milde vieler gekochter Getreide-, Wurzel- und Kürbisgerichte, die in der Chinesischen Medizin als Mitte-stärkend gelten können. Jede Geschmacksrichtung hat eine typische Tendenz (z. B. zusammenziehend, absenkend, bewegend), sodass sich Mahlzeiten gezielt komponieren lassen – immer abhängig vom Muster und vom Verlauf der Darmerkrankung.

Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa werden Lebensmittel in der Chinesischen Medizin als milde Therapeutika betrachtet: Sie können regulieren, beruhigen, aufbauen oder ausleiten. Gleichzeitig können sie – je nach Konstitution – Krankheitsbilder auch verstärken. Besonders interessant ist dabei die Rolle von tierischem Eiweiß, Fettlastigkeit und Milchprodukten. In der chinesischen Denkweise kann ein Übermaß an schwer verdaulichen, „schleimbildenden“ oder feuchtigkeitserzeugenden Speisen Prozesse begünstigen, die als Verschlackung beschrieben werden. Käse und Milch gelten daher in vielen Konstellationen als kritisch, ebenso sehr fettreiche Zubereitungen, Alkohol oder stark zuckerhaltige Produkte, die die Mitte zusätzlich belasten können.

Gleichzeitig kann eine gemüsebetonte, gut gekochte Kost – besonders in Form von Suppen, Eintöpfen und warmen, einfachen Mahlzeiten – für viele Betroffene entlastend sein. Dazu zählen Reiscongee, klare Brühen, Gemüsesuppen, sanft gegarte Wurzelgemüse, gedünstete Speisen. Entscheidend dabei: Gemüse ist nicht gleich Gemüse; Zubereitung, Temperaturverhalten und individuelle Verträglichkeit stehen im Vordergrund. Auch regelmäßige Essenszeiten gelten als Teil der Therapie, weil Rhythmus ein stabilisierender Faktor ist.

Ernährung im Schub und in ruhigeren Phasen

Die Chinesische Medizin differenziert gerne nach Verlauf bzw. Stadium der Erkrankung. In akuten Phasen mit stärkerer Reizung kann das Ziel mehr auf Beruhigung und Entlastung ausgerichtet sein: sehr einfache, gut verträgliche, gekochte Speisen, wenig Fett, wenig Rohes, wenig „Reiz“. In ruhigeren Phasen sollte hingegen behutsam aufgebaut werden – nicht als „Diät“, sondern als schrittweise Stabilisierung der Mitte, damit Widerstandskraft und Regeneration wachsen können. Diese Denkweise erklärt auch, warum pauschale Regeln selten sinnvoll sind: Was in einer Phase gut ist, kann in einer anderen zu viel sein.

Die chinesische Diätetik nutzt also verschiedene Impulse, um die Mitte zu unterstützen, Feuchtigkeit zu transformieren oder das „Qi“ in Bewegung zu bringen – stets als Teil einer Gesamtstrategie aus Ernährung, Ruhe, Bewegung (Qi Gong) und weiteren Säulen wie Akupunktur und chinesischer Arzneitherapie. Das Ziel einer gesunden Ernährung in der Chinesischen Medizin ist weniger Kontrolle als Balance: ein harmonisches Gleichgewicht der Kräfte, damit Verdauung und Aufbau wieder zuverlässiger arbeiten können. In dieser Sichtweise entsteht Stabilität durch die passende Auswahl, schonende Zubereitung und eine Ernährung, die den Organismus nicht überfordert. Gerade bei chronischen Darmentzündungen sollte die richtige Ernährung zu einer täglichen Routine werden – als stiller, kontinuierlicher Therapiebaustein innerhalb der Chinesischen Medizin.

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