AD(H)S – Behandeln ohne Ritalin

Das Therapiekonzept der Klinik am Steigerwald bei AD(H)S vertritt eine andere Auffassung als herkömmliche Behandlungsansätze. Neben der Chinesischen Medizin als Leitmethode kommen vielfältige nicht-medikamentöse Behandlungsoptionen zum Einsatz. Mit Erfolg. Eine Vorstellung des Konzeptes. 

AD(H)S – das Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts)-Syndrom – ist weit mehr als nur ein Modebegriff oder eine schnelle Diagnose. Für viele Familien bedeutet es tägliche Herausforderungen, Unsicherheit und oft auch das Gefühl, missverstanden zu werden. Früher sprach man vom „hyperkinetischen Syndrom“. Heute weiß man: AD(H)S zeigt sich sehr unterschiedlich und betrifft nicht nur „zappelige“ Kinder, sondern auch stille Träumerinnen und Träumer, die scheinbar in ihrer eigenen Welt leben.

AD(H)S fordert uns als Gesellschaft auf, Kinder nicht in Schubladen zu stecken, sondern ihre Einzigartigkeit und Bedürfnisse zu erkennen. Ob biologische Veranlagung, Umweltfaktoren, Erziehung oder alles zusammen – entscheidend ist, dass jedes Kind verstanden, begleitet und gestärkt wird. Denn hinter jeder Unruhe steckt oft ein Herz, das ein bisschen anders schlägt. Dabei hilft das Behandlungskonzept der Klinik am Steigerwald nach den Leitkriterien der Chinesischen Medizin. In der Verbindung mit Spiel und Bewegung, mit psychotherapeutischen und pädagogischen Elementen können die Behandlungsspielräume genutzt werden, die sich unter der chinesischen Arzneitherapie eröffnen. Für viele Familien entstehen so neue Möglichkeiten und vor allem profitieren die Kinder – ganz ohne Ritalin. 

Ursachen, Symptome und Diagnostik es AD(H)S

Die Diskussion um die Ursachen von AD(H)S ist so vielschichtig wie das Thema selbst. Liegt die Wurzel in einer angeborenen Störung der Signalübertragung im Frontalhirn, wo Dopamin – ein Botenstoff für Motivation und Aufmerksamkeit – nicht ausreichend zur Verfügung steht? Oder spiegelt AD(H)S vielmehr die Überforderung vieler Kinder durch die schnelllebige, reizüberflutete Welt wider, in der sie aufwachsen? Vielleicht entsteht AD(H)S im Zusammenspiel aus individueller Veranlagung und gesellschaftlichen Einflüssen. Kinder, die heute aufwachsen, müssen oft viel mehr Reize verarbeiten als frühere Generationen – Schule, Medien, ständige Erreichbarkeit. Studien zeigen, dass genetische Faktoren ebenso eine Rolle spielen wie Umweltbedingungen, familiäre Strukturen und frühe Bindungserfahrungen.

Die Symptome von AD(H)S sind vielfältig. Der wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer beschreibt AD(H)S als eine „Störung der Aufmerksamkeit mit Mangel an Ausdauer bei Leistungsanforderungen und einer Tendenz, Tätigkeiten zu wechseln, bevor sie zu Ende gebracht wurden“. Typisch ist auch eine ausgeprägte motorische Unruhe, das Unvermögen, stillzusitzen oder abzuwarten, sowie Impulsivität – also spontane Handlungen oder Äußerungen, die nicht immer in den sozialen Kontext passen. Manche Kinder sind laut, unruhig, scheinbar unkontrollierbar. Andere wirken verträumt, verlieren sich in Gedanken und vergessen die Welt um sich herum – das sogenannte ADS, die „ruhigere“ Form des ADHS.

In der Realität wird die Diagnose von AD(H)S häufig im Schnellverfahren gestellt: Ein kurzer Termin beim Kinder- und Jugendpsychiater, kaum Austausch mit Lehrkräften – und schon folgt das Rezept für ein Medikament. Dabei sollte eine fundierte Diagnostik mehr sein als ein Fragebogen. Sie braucht Zeit, Beobachtung und Gespräche mit Eltern, Lehrern und dem Kind selbst. Fachgremien empfehlen ein multimodales Vorgehen – also die Kombination aus pädagogischen, psychotherapeutischen und gegebenenfalls medikamentösen Maßnahmen. Medikamente wie Methylphenidat (Ritalin) sollen dabei nur eingesetzt werden, wenn andere Methoden allein nicht ausreichen.

Stellenwert von Ritalin 

Bei der medikamentösen Therapie wird in den meisten Fällen Methylphenidat (Ritalin) verordnet. Die Gabe von Ritalin und anderen Psychostimulanzien wird in der Regel hirnphysiologisch oder genetisch begründet. Ein weiteres gängiges Argument ist die rasch eintretende Wirkung. Unter Ritalin-Gabe kommt es meist sofort zu einer Entlastung für die bis an die Grenze des Erträglichen strapazierten Eltern oder Lehrer. Außerdem soll Ritalin die Voraussetzung für weitere psychotherapeutische oder pädagogische Maßnahmen schaffen. Unserer Beobachtung nach macht eine Behandlung mit Ritalin die Symptome aber oft nicht besser: Die langfristige Einnahme führt zu deutlichen Veränderungen im Hirnstoffwechsel. Chemisch gesehen ist Ritalin verwandt mit Koffein. Daher leiden Kinder manchmal an Herzklopfen, Appetitproblemen und schlafen schlechter.

Gründer der Klinik am Steigerwald und AD(H)S-Experte Dr. Christian Schmincke hat sich als Biochemiker und Arzt seit bald fünf Jahrzehnten mit der Wirkstruktur von Medikamenten auseinandergesetzt, die rasch Symptome lindern, deren Nutzen-Risiko-Bewertung bei langfristiger Einnahme aber zahlreiche Fragen aufwirft. Auf der Suche nach therapeutischen Alternativen ist er vor fast 50 Jahren auf die Methoden der Chinesischen Medizin gestoßen. Richtig angewendet versprechen sie tatsächlich eine Lösung für ein scheinbar unlösbares Problem: die rasche, kurzfristige Linderung der Symptome bei gleichzeitig nachhaltiger und dauerhafter Verbesserung des AD(H)S durch die langfristig Förderung Prozesse innerer Entwicklung. Dieses therapeutische Konzept erlaubt es zudem bei der Behandlung von AD(H)S auf Ritalin und vergleichbare Medikamente gänzlich zu verzichten. 

Dabei fällt die – sonst gern vernachlässigte – nicht-medikamentöse Behandlung in der Klinik am Steigerwald ebenso ins Gewicht. Der pädagogische oder psychotherapeutische Teil kann in Kombination mit der Chinesischen Medizin wertvolle Veränderungen herbeiführen. Über viele Jahre hinweg haben sich diese Methoden in der Praxis bewährt, um Ruhe, Konzentration und innere Ausgeglichenheit zu fördern.

ADHS-Behandlung ohne Medikamente

Allen nicht-medikamentösen Behandlungsrichtungen gemeinsam ist, dass eine nachhaltig stabile Besserung der AD(H)S-Symptomatik nicht von heute auf morgen gelingen kann, sondern eines längeren Lern- und Entwicklungsprozesses bedarf. Grundsätzlich lassen sich nicht-medikamentöse Behandlungen zwei psychotherapeutischen Richtungen zuordnen: verhaltenstherapeutische und tiefenpsychologische. Zu den Methoden der Verhaltenstherapie gehören Aufmerksamkeits- und Kooperations-Trainings, zu denen der Tiefenpsychologie die Gesprächs- und Spieltherapie sowie die Erlebnispädagogik. Am effektivsten wirken die Methoden, wenn sie wie in der Klinik am Steigerwald miteinander kombiniert werden. So gelingt ein Verhaltens- und Lerntraining am besten, wenn Trainer oder Lehrer eine emotionale Beziehung zu den Kindern und so ein gedeihliches soziales Klima untereinander aufbauen. Umgekehrt kann auch eine erlebnispädagogische Freizeit nicht darauf verzichten, klare Rahmenstrukturen vorzugeben und den Kindern bestimmte Verhaltensregeln einsichtig zu machen. 

Das Therapiekonzept der Klinik am Steigerwald

Das Behandlungskonzept der Klinik am Steigerwald umfasst Methoden der Chinesischen Medizin, insbesondere der Arzneitherapie, mit gesprächs-, spiel-, bewegungstherapeutischen Angeboten, vorsichtig dosiertem Lern- und Aufmerksamkeitstraining, Schulunterricht sowie Elternberatung. Der Methodenschatz der Chinesischen Medizin umfasst die Verordnung von Arzneipflanzen, Akupunktur (bei Kindern eher Akupressur von Ohrpunkten) sowie Körpertherapien wie Tuina, Shiatsu, Qigong und wärmende Anwendungen. In der Regel bleiben Kinder etwa drei Wochen in der Klinik. 

Die Methodenwahl erfolgt auf Basis einer eingehenden chinesischen Diagnose. All die gesammelten Informationen liefern maßgebliche Daten, die es erlauben, individuell passende Arzneirezepturen zusammenzustellen. Unter den zahlreichen verschiedenen Ausprägungen des AD(H)S spielen vier Grundtypen eine Rolle:

    1. Das verträumt-unaufmerksame Kind (früher: ADS),
    2. Das motorisch-unruhige, impulsive Kind,
    3. Das unruhige Kind mit aggressiven oder destruktiven Tendenzen, 
    4. Das Kind, bei dem die Lern-Behinderung im Vordergrund steht. 

    Diese Typologie erlaubt eine erste Weichenstellung, was die Auswahl der geeigneten Arzneien betrifft. So werden aus den ca. 300 chinesischen Heilpflanzen, die in der Klinik am Steigerwald bevorratet werden, bis zu acht für eine Rezeptur ausgewählt. Um zwei Beispiele zu nennen: Radix Bupleuri, die Wurzel einer chinesischen Heilpflanze mit dem deutschen Namen „Hasenohr“ hilft, chaotische Aktivitäten zu beruhigen. Die Uncaria-Pflanze wird eingesetzt, wenn die aggressive Komponente der Impulsivität im Vordergrund steht. Die zur Rezeptur zusammengestellten Arzneipflanzen werden gekocht und das so gewonnene „Dekokt“ wird möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt, wie ein Tee, eingenommen. Unter der Einnahme der Rezeptur lassen sich bald Veränderungen hinsichtlich Befindlichkeit und Verhalten des Kindes beobachten, die gelegentlich eine Anpassung der Verordnung erforderlich machen. 

    Es ist nicht selten und durchaus wünschenswert, dass die Kinder unter der Therapie Atemwegsinfekte entwickeln. Diese lassen sich in aller Regel problemlos mit chinesischen Mitteln behandeln. Es sollten auch ohne Not keine symptomatischen Mittel wie Antibiotika, Abschwell-Sprays oder Fiebersenker verordnet werden. Insbesondere nach durchgemachten fieberhaften Zuständen beobachten wir immer wieder, dass das Kind offensichtlich eine Art Entwicklungssprung vollzogen hat, wonach es reifer und gefestigter wirkt als vor dem Infekt. Derartige Beobachtungen geben Hinweise auf die psychoimmunologische Seite des AD(H)S, ein Aspekt, der vom chinesischen Krankheitsverständnis her naheliegend ist. So ist immer wieder die Meinung geäußert worden, dass ein Zusammenhang besteht zwischen der Zunahme des AD(H)S in den letzten Jahren und der Durchimpfung unserer Kinder. Für die immunologischen Abteilungen der Universitäten könnte sich hier ein sinnvolles Forschungsfeld eröffnen.

    Zeit ist die wichtigste Ressource

    Eine solche ADHS-Behandlung braucht natürlich Zeit. Zeit, die das Kassensystem für unsere Kinder nicht vorsieht. Stattdessen werden in Deutschland ca. 600 000 Kinder mit Psychostimulanzien wie Ritalin behandelt. Oder anders gesagt: ruhiggestellt. Eine ausschließlichen Verordnung von Medikamenten, was leider zur alltäglichen Praxis gehört, ist keine Behandlung. Eine gute ADHS-Behandlung sollte mehr sein: eine bewusste Auseinandersetzung mit dem jungen Patienten, ein Begreifen, ein Verstehen des Kindes, ein in Kontakt gehen. Solch eine Behandlung geht nur über Bindungs- und Beziehungsaufbau. Und über Nachdenken. Über das Kind, seine Verstrickungen im Teufelskreis und wie ihm und seiner Familie wieder herausgeholfen werden kann. Das ist nicht immer einfach. Aber es lohnt sich. Die Klinik am Steigerwald freut sich über jedes Kind, das ohne Ritalin wieder in der Lage ist, zu lachen, zu essen, zu lernen, Interessen auszubilden, seinen Hobbys nachzugehen und Freundschaften zu schließen. 

    Möchten Sie mehr über die Klinik am Steigerwald erfahren?

    Dann fordern Sie kostenfrei und unverbindlich hier unser Klinikprospekt an.

    Prospektbestellung

    Schreibe einen Kommentar