Rheuma aus Sicht der Chinesischen Medizin

Rheuma neu verstehen: Wie die Chinesische Medizin äußere Einflüsse, innere Dysbalancen und individuelle Muster verbindet – und daraus wirksame, ganzheitliche Therapieansätze entwickelt, die Schmerzen lindern und nachhaltige Stabilität fördern können.

Rheuma prägt das Leben vieler Betroffener ein Leben lang. Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Gelenken, die sich oft keiner klaren mechanischen Ursache wie beispielsweise nach einer Verletzung zuordnen lassen, bestimmen den Alltag. Während in der westlichen Medizin vor allem entzündliche Blutwerte zur Diagnosestellung herangezogen werden, betrachtet die Chinesische Medizin Rheuma als komplexes Zusammenspiel äußerer Witterungseinflüsse und innerer Dysbalancen. Wind, Kälte und Feuchtigkeit bilden dabei nach traditioneller Lesart jene Kräfte, die tief in den Körper eindringen und sich in einem geschwächten Organismus festsetzen können – häufig nach Infekten, die nicht vollständig ausgeheilt sind. Betroffene Rheumapatienten merken dies meist deutlich, beispielsweise an einer Wetterfühligkeit, bei der sich bei Schlechtwetter die Schmerzen verstärken.

Dieses Verständnis von Rheuma, das sowohl Umweltfaktoren als auch körperlich-seelische Belastungen berücksichtigt, prägt den therapeutischen Ansatz der Chinesischen Medizin. Denn rheumatische Erkrankungen entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich aus einem über längere Zeit in Ungleichgewicht geratenen Immunsystem heraus. Oft liegt ein banaler Infekt am Anfang des Weges, der durch eine medikamentöse Symptomunterdrückung wie durch Abschwellspray, Immunblocker wie z.B. Ibuprofen, und auch Antibiotika oder fehlende Regeneration nicht zur Ruhe kommen konnte. Verstärkend wirken innere Faktoren, denn die krankmachenden Einflussfaktoren wie Wind, Kälte, Nässe-Feuchtigkeit kommen nicht nur vom Wetter, sondern werden auch durch innere Prozesse verstärkt: Nässe durch Verschlackung, Wind durch Spannung und innere Überaktivität. Ein ungünstiges Zusammenspiel verschiedener Faktoren kann schließlich einen akuten Rheumaschub auslösen. 

Ganzheitliche Diagnostik

Um die individuellen Ursachen des Rheumas zu erkennen, steht eine umfassende chinesische Diagnose der Therapie voran. Sie verbindet das ausführliche Gespräch über Lebensgeschichte, Beschwerden und alltägliche Gewohnheiten mit einer körperlichen Untersuchung, Zungenbefund und Pulsdiagnostik. Jedes Detail kann Hinweise auf den zugrunde liegenden Mechanismus geben: Schlafqualität, Verdauung, Temperaturwahrnehmung, seelische Verfassung oder frühere Infekte. Auch schulmedizinische Befunde wie Laborwerte oder bildgebende Verfahren werden in die Diagnostik einbezogen und durch die Brille der Chinesischen Medizin betrachtet. Ziel ist ein präzises, individuelles Bild, aus dem sich die passende Behandlung ableiten lässt.

Die chinesische Arzneitherapie als zentraler Baustein

Im Mittelpunkt der Therapie steht die chinesische Arzneitherapie. Die Chinesische Medizin verfügt über einen großen Schatz an arzneilich wirkenden Stoffen (ca. 2000), meist pflanzlicher Herkunft. Mit ihnen lassen sich die verschiedenen rheumatischen Muster differenziert behandeln. Die Rezepturen werden nach der Diagnosestellung individuell zusammengestellt, fortlaufend geprüft und dem Verlauf der Genesung angepasst. Da die Wirkung der Arzneien tief in körperliche und seelische Prozesse eingreift, begleiten tägliche diagnostische Rückmeldungen den therapeutischen Weg. Veränderungen von Schlaf, Träumen, Schmerzen, Verdauung oder Leistungsfähigkeit zeigen an, ob eine Anpassung der Rezeptur notwendig ist. Dieser kontinuierliche Dialog zwischen Patient und Therapeut prägt die Behandlungsqualität.

Je nach Verlauf können unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden: Mittel zur Lösung von Wind-Feuchtigkeit, Pflanzen zur Harmonisierung des Verdauungssystems, Rezepturen zur Entspannung, zur Klärung eines Infektrestes oder zur allgemeinen Kräftigung. Besonders bei Kindern zeigt die chinesische Arzneitherapie häufig gute therapeutische Erfolge, während bei starker Immunsuppression klare Grenzen bestehen.

Ergänzende Therapieansätze für Körper und Geist

Ergänzend zur Arzneitherapie kommen verschiedene traditionelle Verfahren zum Einsatz, die Beweglichkeit fördern, Schmerzen lindern oder die Selbstregulation stärken. Akupunktur und Akupressur unterstützen das Lösen von Blockaden und bringen den Fluss von Qi und Blut wieder in Bewegung. Moxibustion wärmt geschwächte Körperbereiche und vertreibt Kälte. Körpertherapien wie Tuina, Shiatsu, Osteopathie oder Cranio-Sacral-Techniken öffnen den Zugang zum Körper von außen, lösen Spannungsschichten und verbessern die Geweberegulation. Qigong stärkt durch langsame, meditative Bewegungen die Balance und schafft einen ruhigen Gegenpol zum Alltag. Ergänzende Anwendungen wie Schröpfen, Wickel, Auflagen oder das wohltuende japanische Bad bieten zusätzliche Entlastung.

Ernährung spielt eine zentrale Rolle. In der Chinesischen Medizin gilt sie als milde, aber hochwirksame Form der Therapie. Die Speisenauswahl richtet sich nach ihrer Wirkung auf den Organismus – weniger nach Nährstofftabellen. Empfehlungen wie wenig tierisches Eiweiß, maßvoller Zuckerkonsum, warme Mahlzeiten, langsames Essen und eine auf den Alltag abgestimmte Struktur unterstützen die Behandlung aber generell. 

Verlauf und Perspektive der Behandlung mit Chinesischer Medizin

Wie schnell eine Besserung spürbar wird, hängt von Alter, Vorbehandlungen und individuellen Belastungen ab. Während stationäre Behandlungen häufig rasch erste Erleichterungen bringen, benötigen komplexe Verläufe in der ambulanten Weiterbehandlung mehrere Monate, bis die tieferen Therapieziele erreicht werden. Gerade bei langjährigem Rheuma mit bestehender Immunsuppression sind Geduld und eine behutsame Vorgehensweise wichtig. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, zunächst andere belastete Funktionskreise zu stabilisieren, bevor das Immunsystem intensiver reguliert wird.

Trotz der Grenzen bei stark immunsupprimierten Patienten bietet die Kombination aus Arzneitherapie, Körperarbeit, Diätetik und achtsamkeitsbasierten Übungen vielen Menschen neue Möglichkeiten, den Verlauf ihrer Erkrankung positiv zu beeinflussen. Die Integration schulmedizinischen Wissens sichert dabei die therapeutische Breite und schafft einen Rahmen, in dem beide Ansätze verantwortungsvoll zusammenwirken können. 

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