Die Ernährung spielt in der Chinesischen Medizin eine wichtige Rolle – vor allem wenn man schon chronisch krank ist. Worauf die fernöstliche Heilkunde schaut und 10 wichtige Ernährungstipps finden sich in diesem Artikel.
Die Chinesische Medizin spricht gesunder Ernährung eine hohe Bedeutung zu. Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bedeutet gesunde Ernährung aber viel mehr als die Konzentration auf eine obst- und gemüsereiche Kost. Welche Bedeutung für Wohlbefinden und Gesundheit ihr die Chinesische Medizin beimisst, zeigt, dass Ernährungslehre neben Akupunktur, chinesischer Arzneitherapie, Körpertherapien sowie Qi Gong eine der fünf Säulen Chinesischer Medizin darstellt.
Wie die Ernährung auf die Gesundheit wirkt
Für jeden Einzelnen findet die Chinesische Medizin gesunde Ernährungsweisen, die der körperlichen Verfassung entsprechen und helfen, energetische Entgleisungen zu korrigieren. Da alle Lebensmittel unterschiedlich auf den Organismus wirken, kann jeder durch gezielte Aufnahme wieder eine Harmonisierung des Qi, seiner Lebensenergie, erreichen. Kommt es durch Krankheit zu einem Ungleichgewicht, gelten daher Lebensmittel als milde Therapeutika.
Häufig begründen Nahrungsmittel auch Krankheitsbilder. So weisen Experten auf mögliche Schleimbildung beim Verzehr von tierischem Eiweiß hin und raten je nach Indikation auch vom Käse- oder Milch-Genuss ab. Betroffene von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa berichten von Erfolgen bei der Behandlung ihrer Krankheit durch gemüsebetonte Kost. Auch Patienten mit Neurodermitis sollten auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten. Das ermöglicht, die „trübe Hitze“ im Blut, also die Ansammlung von Entzündungsprodukten, einzudämmen. Viele Neurodermitis-Betroffene erfahren eine Linderung ihrer Beschwerden, indem sie Alkohol, Käse sowie Zucker meiden.

Auch anderen Aspekten wie die Geschmacksrichtung eines Lebensmittelt misst die Chinesische Medizin Bedeutung bei. Dabei kommt es auf die Wirkung von Lebensmitteln auf die Energien im menschlichen Körper an. In welcher Tiefe eine Speise ihre Wirkung entfaltet, hängt von der jeweiligen Geschmacksrichtung bitter, salzig, sauer, scharf oder süß ab. Ziel einer gesunden Nahrungsaufnahme sehen Experten darin, den Körper in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen.
Ernährungstipp: Weniger Milchprodukte
Die Chinesische Medizin spricht sich deutlich gegen den dauernden und reichlichen Genuss von Milcheiweißprodukten wie Milch, Käse und Quark aus. Denn: Milcheiweiß führt zur Entstehung von kaltem Schleim, was die Ausbildung von Schlackendeponien in verschiedenen Körperbereichen begünstigt und zu Verschlackungskrankheiten Rückenschmerzen, Rheuma oder Neurodermitis führen kann. Vor allem Patienten mit Neurodermitis sollten auf zu viel Milcheiweiß verzichten. Dies dämmt die Ansammlung von Entzündungsprodukten ein und viele Betroffene erfahren so eine Linderung ihrer Beschwerden.
Ernährungstipp: Kein Fernsehen & Co. beim Essen
Mindestens so wichtig wie das „Was“ ist beim gesunden Essen auch das „Wie“. Bestimmt haben Sie schon oft gelesen, dass Fernsehen und Lesen während der Mahlzeiten tabu sind. Die Chinesische Medizin hat dafür – wie so oft – eine ganz besondere Erklärung: Wenn gleichzeitig mit der Nahrung Informationen aufgenommen werden, wird die Milz doppelt beansprucht und hat weniger Energie für ihre Klärungsfunktion. Daher kann es bei Reizüberflutung während des Essens zu Verdauungsbeschwerden kommen. Wer seine Milz also nicht überfordern will, lässt den Fernseher aus und das Buch zugeklappt.
Ernährungstipp: Wenig Mahlzeiten
Grundsätzlich rät die Chinesische Medizin dazu, sich auf wenige Mahlzeiten am Tag zu beschränken. Denn ein leerer Magen und Darm fördert die Entgiftungsfunktionen und begünstigt die Erneuerung der Schleimhäute. Zudem kann sich so auch ein gesundes Appetitverhalten entwickeln. Ein voller Darm fördert nämlich das Hungergefühl. Laut chinesischer Sicht sind Magen und Darm Durchgangsorgane, die mal leer und mal voll sein können. Ein solches „Hin und Her“ erzeugt eine günstige Spannung, die belebend wirkt.
Ernährungstipp: Wenig Rohkost!
Natürlich ist Gemüse auch aus Sicht der Chinesischen Medizin gesund. In China wird im Gegensatz zur Rohkost jedoch alles gekocht. Die Chinesen sprechen gegartem Gemüse eine wärmende Wirkung zu. Magen und Milz tut diese Wärmezufuhr gut – vor allem im Winter. Das regelmäßige Trinken von kühlschrankkalten Getränken führt hingegen nicht selten zu Kälteschäden des Magens. Wer gern Rohkost isst, sollte seinen Körper genau beobachten: Wer nach Verzehr unter Blähungen, dünnen Stühlen, starker Müdigkeit leidet oder oft fröstelt, sollten seine Ernährung überdenken.
Ernährungstipp: Mehr Gemüse mit kurzen Garzeiten
In China bildet Gemüse zusammen mit Getreide die Basis der Ernährung und steht daher im Gegensatz zu unserer Esskultur, die meist dem Leitbild „Fleisch mit Beilagen“ folgt. Wenn sich alles ums Fleisch dreht, kommt es oft dazu, dass Gemüse so lang gekocht wird, bis es kaum mehr wiederzuerkennen ist. Die chinesische Küche setzt neben Gemüse mit kurzen Garzeiten auf qualitativ hochwertige Produkte. Biogemüse schmeckt nicht nur gut, sondern bringt ein gutes Sättigungsgefühl. Vorteil: So entgehen ehemalige „Fleischesser“ eher dem Gefühl, ihnen würde nach dem Essen noch etwas fehlen. Ein weiterer Grundsatz der chinesischen Diätetik und auch vieler hiesiger Ernährungslehren ist die Verwendung regionaler Nahrungsmittel passend zur Jahreszeit. Nach den Grundsätzen der Chinesischen Medizin soll der Körper durch die Wirkung der Lebensmittel auf seine Energie besser ins Gleichgewicht gebracht werden.
Ernährungstipp: Warmes Wasser zum Wohlfühlen
Warmes Wasser gilt in der Chinesischen Ernährungslehre als besonders wohltuend und bekömmlich. Morgens direkt nach dem Aufstehen getrunken, gibt es dem Mitte-Organ einen guten Qi-Impuls für den Tag. Überhaupt ist warmes Wasser das günstigste und beste Getränk/Mittel, um einer gestörten Mitte zu helfen, ohne sie zu belasten.
Ernährungstipp: Morgens warm essen
Die Chinesische Medizin empfiehlt zum Frühstück warm zu essen. Etwa eine Suppe oder einen Brei. Dazu können alle Getreidearten als Basis dienen, die je nach Geschmack mit süßen oder salzigen Zutaten versehen werden können: Obst, Gewürze, Fleisch, Gemüse. Am besten eignet sich Hirsebrei, da er am wenigsten zur Ansammlung von pathologischer Feuchtigkeit führt und seine stärkende Wirkung auch die Nieren erfasst. Dies ist für den Aufbau von Knochen und Gelenken günstig und steigert auch das allgemeine Durchhaltevermögen.
Ernährungstipp: Richtiges Mittagessen – auf die Masse kommt es an
Leichte Bewegung oder Tätigkeit nach dem Essen fördert die Verdauungsfunktionen. Mit Sicherheit ungesund ist es, mittags so viel zu essen, dass man müde wird und sich am liebsten hinlegen würde. Also lieber etwas weniger essen.
Ernährungstipp: Abends nichts essen
Die Verdauungsorgane arbeiten in der Nacht nur im Schongang. Nahrungsmittel belasten so den Organismus und stören den Stoffwechsel. Außerdem gilt der Darm als wichtigstes Entgiftungsorgan. Er sollte sich über Nacht den Entgiftungsaufgaben widmen und dabei nicht durch Aufnahme- und Verdauungsfunktionen gestört werden. Zudem hilft Abendfasten bei Wechseljahrbeschwerden. Es wirkt außerdem positiv auf Hitzewallungen und Panikattacken. Auch bei Altersdiabetes und Rheuma trägt das abendliche Fasten zur Linderung der Beschwerden bei. Beim Abendfasten sollte die letzte Mahlzeit mittags zu sich genommen und anschließend nur noch Wasser oder Kräutertees getrunken werden.
Der wichtigste Ernährungstipp!
Der einfachste, aber eben auch wirkungsvollste Ernährungstipp lautet: „Hunger ist der beste Koch“. Viele moderne Krankheiten werden durch zu viel Essen hervorgerufen. So sieht die Chinesische Medizin beispielsweise bei Diabetes, Arterienverkalkung, Bluthochdruck, Immunstörungen, Allergien oder Rheuma Ursachen auch in unserer „Überflussgesellschaft“. Der Magen selbst ist eigentlich in der Lage, zu sagen, wie viel Nahrung der Körper braucht. Diese Funktion ist bei vielen Menschen gestört – sie essen aus Frust, Sucht, Anspannung oder automatisiert vor dem Fernseher. Unser Körper kommt aber viel besser mit Mangel als mit Überfluss zurecht. Deshalb gilt: Weniger ist oft mehr.